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Sep 07, 2020 368 Bishop Robert Barron, USA

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Worte der Weisheit : WARUM WIR NICHT B?SES TUN K?NNEN, AUCH WENN SICH DARAUS GUTES ERG?BE

WARUM WIR NICHT B?SES TUN K?NNEN, AUCH WENN SICH DARAUS GUTES ERG?BE

Im dritten Kapitel des Briefes des heiligen Paulus an die R?mer gibt es eine merkw?rdige und faszinierende Stelle, die im Zusammenhang mit dem Sendschreiben beinahe verwerflich klingt, die sich aber in den letzten zweitausend Jahren als ein Eckpfeiler der katholischen Moraltheologie erwiesen hat. Einigen seiner Kritiker antwortet Paulus: ?Gilt am Ende das, womit man uns verleumdet und was einige uns in den Mund legen: Lasst uns B?ses tun, damit Gutes entsteht? Diese Leute werden mit Recht verurteilt? (R?m 3,8)! Man k?nnte die etwas verschachtelte Aussage des Paulus wie folgt formulieren: Wir sollen niemals B?ses tun, damit Gutes daraus hervorgehen m?ge.

Es gibt in der Tat wirklich b?se Menschen, die scheinbar Freude daran haben, B?ses um seiner selbst willen zu tun. Aristoteles nannte sie b?sartig oder in extremen F?llen ?bestialisch?. Aber die meisten von uns, die B?ses tun, k?nnen in der Regel eine Rechtfertigung f?r ihr Verhalten finden, indem wir an ein gutes Ende appellieren, das wir durch unser Handeln zu erreichen hofften. ?Ich bin nicht wirklich stolz auf das, was ich getan habe?, hei?t es dann, ?aber zumindest hat es einige positive Folgen gehabt.? Aber die Kirche hat, dem Aufruf des heiligen Paulus folgend, diese Art des Denkens stets missbilligt, gerade weil sie dem moralischen Chaos die T?r ?ffnet. Ebenfalls hat sie bestimmte Handlungen ? Sklaverei, Ehebruch, sexuellen Missbrauch von Kindern, die T?tung Unschuldiger usw. ? als? ?von Natur aus b?se? anerkannt, d.h. als nicht zu rechtfertigen ? weder durch Appelle an die Motivation, noch durch mildernde Umst?nde oder Konsequenzen. So weit, so klar.

Aber dieses Prinzip ist mir in letzter Zeit in den Sinn gekommen, und zwar nicht so sehr in Bezug auf die moralischen Handlungen von Einzelpersonen, sondern in Bezug auf die moralischen Annahmen, von denen sich ein Gro?teil unserer Gesellschaft leiten zu lassen scheint. Ich k?nnte vermuten, dass sich 1995 mit dem Prozess gegen O.J. Simpson ein grundlegender Wandel vollzogen hat. Ich denke, man kann mit Fug und Recht behaupten, dass die ?berw?ltigende Mehrheit der vern?nftigen Menschen zustimmen w?rde, dass Simpson die schrecklichen Verbrechen begangen hat, derer er beschuldigt wurde, und dennoch wurde er von einer Jury aus seinesgleichen entlastet und von gro?en Teilen unserer Gesellschaft vehement unterst?tzt. Wie k?nnen wir diese Anomalie erkl?ren? Die Exkulpation von O.J. Simpson war in den Augen vieler gerechtfertigt, weil sie als Beitrag zur L?sung des gro?en sozialen ?bels der rassistischen Profilerstellung und Verfolgung von Afroamerikanern durch die Polizei von Los Angeles im Besonderen und durch Polizeibeamte im ganzen Land im Allgemeinen angesehen wurde. Die Freilassung eines Schuldigen und die Nichtbeachtung einer groben Ungerechtigkeit wurden zumindest toleriert, weil sie anscheinend einem gr??eren Wohl dienten.

Die ?O.J. Simpsonisierung? unseres juristischen Denkens zeigte sich erst k?rzlich im traurigen Fall von Kardinal George Pell. Angesichts der wilden Unwahrscheinlichkeit der Anklagepunkte und des v?lligen Fehlens von Beweisen mussten vern?nftige Leute wieder einmal zu dem Schluss kommen, dass Kardinal Pell niemals h?tte vor Gericht gestellt werden d?rfen, geschweige denn verurteilt werden d?rfen. Und dennoch wurde Pell f?r schuldig befunden und zu einer Gef?ngnisstrafe verurteilt, und eine sp?tere Berufung best?tigte die urspr?ngliche Verurteilung. Wie k?nnen wir diese Unstimmigkeit erkl?ren? Viele in der australischen Gesellschaft, die zu Recht ?ber den Missbrauch von Kindern durch Priester und die anschlie?ende Vertuschung durch einige kirchliche Autorit?ten emp?rt waren, waren der Meinung, dass die Inhaftierung von Kardinal Pell dieses ?bergreifende Problem irgendwie l?sen w?rde. Wieder einmal wurde also unter Verletzung des Paulusprinzips B?ses getan, damit daraus Gutes entstehen konnte.

Dasselbe Problem zeigt sich in Bezug auf sexuelle Aggressionen gegen Frauen. Im Gefolge der Harvey-Weinstein-Situation und der nachfolgenden #MeToo-Bewegung bezweifelt kein ernstzunehmender Mensch, dass zahlreiche Frauen von m?chtigen M?nnern skrupellos misshandelt wurden und dass dieser Missbrauch ein Krebsgeschw?r im Staatswesen ist. Um das Wohl der L?sung dieses Problems zu erreichen, werden M?nner daher manchmal ohne Untersuchung oder Gerichtsverfahren angeklagt, schikaniert und publikumswirksam verurteilt. Um zu zeigen, dass ich hier kein parteiisches S?ppchen koche, m?chte ich die Aufmerksamkeit auf die Behandlung sowohl von Richter Brett Kavanaugh als auch, in den letzten Tagen, des ehemaligen Vizepr?sidenten Joe Biden lenken. Es scheint wieder einmal der Gedanke aufzutauchen, dass die Korrektur eines allgemeinen Unrechts in bestimmten F?llen moralisch unverantwortliches Verhalten rechtfertigt.

Das Vorherrschen dieses Verhaltens in unserer Gesellschaft ist h?chst gef?hrlich, denn in dem Moment, in dem wir sagen, dass B?ses um des Guten willen getan werden kann, haben wir effektiv geleugnet, dass es irgendwelche in sich b?sen Handlungen gibt, und in dem Moment, in dem wir das tun, verl?sst die intellektuelle Unterst?tzung automatisch unser Moralsystem. Und dann kommen die Furien. Ein sehr lehrreiches Beispiel f?r dieses Prinzip ist der Terror, der auf die Franz?sische Revolution folgte. Da die aristokratische Klasse im Frankreich des achtzehnten Jahrhunderts den Armen (zweifellos) ungeheures Unrecht angetan hatte, wurde jeder, der als Feind der Revolution angesehen wurde, ohne Unterschied oder Diskriminierung durch die Guillotine vernichtet. Wenn Unschuldige an der Seite der Schuldigen starben, so wurde es akzeptiert, denn es diente dem Aufbau der neuen Gesellschaft. Ich glaube, es ist keine ?bertreibung zu sagen, dass sich die westliche Gesellschaft noch nicht vollst?ndig von dem moralischen Chaos erholt hat, das der t?dliche Konsequentialismus jener Zeit ?ber uns gebracht hat.

Deshalb m?ssen wir, sogar wenn wir auf legitime Art die gro?en sozialen ?bel unserer Zeit bek?mpfen, an den einfachen, aber pointierten Grundsatz des Paulus erinnern: Tue niemals B?ses, damit daraus Gutes entstehen kann.

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Bishop Robert Barron

Bishop Robert Barron Der Artikel erschien ursprünglich bei wordonfire.org. Nachdruck mit Genehmigung

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