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Okt 21, 2021 334 Father Augustine Wetta O.S.B, USA

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So tun, als ob

Als ich noch sehr jung war, fragte ich meinen Vater, ob es wirklich notwendig sei, die eigene Schwester zu lieben (selbst den Feind zu lieben schien mir damals vern?nftiger). Mein Vater bestand nat?rlich darauf, dass es notwendig sei.? Und ich erinnere mich, dass ich ihm ausf?hrlich erkl?rte, dass dies unter den gegebenen Umst?nden sehr schwierig, ja eigentlich unm?glich w?re und dass wir vielleicht erw?gen sollten, sie zur Adoption freizugeben.? Mein Vater sagte zu mir: ?Jason, du wirst es vielleicht nicht glauben, aber eines Tages wirst du entdecken, dass du deine Schwester wirklich liebst.? Und wenn dieser Tag kommt, wirst du tats?chlich nett zu ihr sein wollen.? Aber in der Zwischenzeit… tu so, als ob!?

Damals klang das wie ein eiskalter Ratschlag, aber wenn wir in die Tat umsetzen sollen, was Christus im Evangelium von uns verlangt – wenn wir unsere N?chsten wirklich so lieben sollen, wie wir uns selbst lieben -, dann wird es Zeiten geben, in denen wir uns nicht nach unseren Gef?hlen richten sollten. Denn, seien wir ehrlich, manche Menschen sind sehr, sehr schwer zu lieben. Aber wenn man dar?ber nachdenkt, dann sind genau jene Momente, in denen wir uns zwingen m?ssen, diese Liebe zu unserem N?chsten ?vorzut?uschen?, oft die aufrichtigsten Momente der Liebe, weil wir gerade dann Liebe geben, ohne auf eine Gegenleistung zu hoffen. Und wenn die Weisen rechtbehalten, dann ist das seltsame Ergebnis einer solchen vorget?uschten Zuneigung, dass aus ihr eine ungeheuchelte Zuneigung zu wachsen beginnt.

Bis wir also an den Punkt gelangen, an dem es f?r uns selbstverst?ndlich wird, alle Menschen zu lieben, ist es vielleicht bis dahin am besten, so zu tun, als ob wir sie lieben – ob wir dies nun tats?chlich f?hlen oder nicht -, und in der Zwischenzeit zu hoffen, dass wir sie eines Tages mit den Augen des Glaubens sehen k?nnen.

Himmlischer Vater, ich ?bergebe dir all meine Schwierigkeiten, bestimmte Menschen in meinem Leben auszuhalten. Gib mir die Kraft und den Mut, sie mit G?te und Liebe zu ertragen, auch wenn ich das Gef?hl habe, zu scheitern. Hilf mir, geduldig, freundlich, langsam zum Zorn und barmherzig zu sein. Wenn ich das Gef?hl habe, davonlaufen zu m?ssen, erinnere mich an die Gnade, die du mir erwiesen hast, als ich an meinem Tiefpunkt war. Lass mich sie so lieben, wie du mich liebst, so bitte ich in Jesu Namen. Amen.

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Father Augustine Wetta O.S.B

Father Augustine Wetta O.S.B ist Benediktinermönch und dient als Kaplan an der Saint Louis Priory School. Er ist der Autor von „Der achte Pfeil“ und „Regeln der Demut“. Pater Augustinus lebt in der Abtei Saint Louis in Saint Louis, Missouri.

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