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Apr 24, 2019 384 Rudolf Ammann

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Eine vierte Lebensetappe

Die ?lteren unter uns sind gewohnt, ihre Lebenszeiten im Wesentlich in drei Etappen einzuteilen: das Heranwachsen in Kindheit und Jugend als Zeiten der Ausbildung, die Phase des Familiengr?ndung und des Arbeitslebens und danach die Zeit der Pension?re. Diese Dreiteilung hat sich in den zur?ckliegenden Jahrzehnten durch eine ?dazwischen geschobene? vierte Etappe erweitert: die Generation der 50plus.

Eine soziologische Studie

Der Osnabr?cker Soziologie-Professor Dr. Dieter Otten hat im Jahr 2008 unter dem Namen ?50plus-Studie? ein Buch ver?ffentlicht, das aufhorchen lie?. Er schreibt darin: ?Schon sehr bald wird mehr als die H?lfte der Deutschen ?ber 50 Jahre alt sein und Deutschland wird unausweichlich zur Republik der ?lteren. Aber Menschen zwischen 50 und 70 sind heute nicht ?alt?, es sind keine Methusalems, keine Alten im Sinne des Klischees, sondern Menschen mit Zukunft ? das ist neu. Wir haben es zu tun mit einer neuen Mittelschicht ?lterer Erwachsener mit verbl?ffendem Verhalten: gesund, fit, sexuell aktiv, partnerschaftlich motiviert, finanziell abgesichert und politisch engagiert. Ein radikaler gesellschaftlicher Wandel von ungeheurem Ausma? steht uns bevor. Experten sprechen von einer Kultur-Revolution des Alterns und meinen, dass die Menschen, die in jungen Jahren die kulturell-politischen Ver?nderungen des 20. Jahrhunderts gepr?gt haben, nun als ?ltere das Gleiche noch einmal tun werden.

Wie ver?ndern diese Menschen das Alt-Sein bzw. Alt-Werden? Zur gesellschaftlichen Mehrheit avanciert, wird der Einfluss dieser Generation auf alle Lebensbereiche immens dominant sein, eine bislang noch nie da gewesene Situation. Der unerforschte Kontinent des Lebens der ersten jungen Altengeneration wird entdeckt, die Ergebnisse sind verbl?ffend.?

Kirchliche und gesellschaftliche Auswirkungen

In kirchlichen Kreisen, auch in der Sch?nstatt-Bewegung und in anderen geistlichen Gemeinschaften und Bewegungen, spielt die Generation 50plus eine gro?e Rolle, so sehr auch das ?Junge Sch?nstatt? eigenst?ndige Wege geht und ?seine? Themen bearbeitet. Menschen, die sich in Ehren?mtern bet?tigen, beleben und bereichern die moderne Gesellschaft sehr. Ohne ihr Engagement w?ren viele kirchlichen und gesellschaftlichen Initiativen unm?glich. Und wie viele Gro?v?ter und Gro?m?tter sind f?r ihre Enkel eine gro?e St?tze und Bereicherung.

Stephan Sievert vom ?Berlin-Institut f?r Bev?lkerung und Entwicklung? kommentiert die Erkenntnisse der Studie von Dieter Otten:

?Das Bild der ?Alten? und ??lteren? hat sich in Deutschland stark gewandelt. In den Medien dominieren nicht mehr Vorstellungen von hilfe- und pflegebed?rftigen Menschen am Rande des gesellschaftlichen Lebens, sondern solche von kaufkr?ftigen, lebenslustigen Menschen ?ber 50. Die Werbung nennt ihre neue Zielgruppe ?Best Ager? oder ?PEGGIs?; ein Name, der auf die Begriffe ?Pers?nlichkeit?, ?Erfahrung?, ?Geschmack?, ?Geld?, ?Interesse? verweist. Dieter Otten behandelt in der ?50plus Studie? also ein viel diskutiertes Thema. Die von ihm per Internet befragten 50- bis 70-J?hrigen scheinen sich bester Gesundheit zu erfreuen. Auch bringen viele von ihnen, immerhin haben sie die Studentenrevolte der sechziger und siebziger Jahre erlebt, liberale und individualistische Ideale mit. Diese Beobachtungen haben manchen Trendforscher schon veranlasst, von einer Revolution der „jungen Alten“ zu sprechen. ?

Dieter Otten sieht – dem Untertitel der Studie zum Trotz – nicht, dass ?die jungen Alten die Gesellschaft revolutionieren?. Aber er entdeckt in den 50- bis 70-J?hrigen immerhin ein ?ungeheures Potenzial f?r gesellschaftliche Ver?nderung ? Ferner verf?gen die Befragten ?ber ein hohes Bildungsniveau, haben ?berdurchschnittliche Einkommen und sind k?rperlich durchweg in guter Verfassung. Otten kommt deshalb zu dem Schluss, dass die jungen Alten eine tragende Rolle bei der Gestaltung der Zukunft Deutschlands spielen werden. ?

Anhand der Daten identifiziert das Buch die Befragten als Menschen, die zwar ?lter, aber nicht alt sind. Ausgestattet mit einer guten Gesundheit engagieren sie sich nach dem Berufsleben in Ehrenamt oder Eigenarbeit, treiben Sport und genie?en ein erf?lltes Sexualleben.?

Differenzierte Sicht

Die Menschen 50plus sind nat?rlich eine bunte ?Generation?. Sie faltet sich in viele Untergruppierungen aus. Mehr noch: In dieser reifen Lebensphase haben sich die individuellen Lebenserfahrungen in eigenst?ndigen Lebenseinstellungen und -gestaltungen ausdifferenziert. Die seelischen Pr?gungen, finanziellen und gesundheitlichen M?glichkeiten sind sehr unterschiedlich.

Aber den meisten Menschen dieser Altergruppe erschlie?t sich jenseits der mehr ?u?eren M?glichkeiten, sich zu verwirklichen und in die Gesellschaft einzubringen, ein neuer Blick in die Tiefe des Lebens: die Fragen nach dem Sinn aller Geschichte, auch der eigenen, nach dem Woher und Wohin, nach dem Warum und Wozu des Erlebten. Das Hintergr?ndige und Eigentliche der Wirklichkeit wird deutlichere wahrgenommen als fr?her. Eine gro?artige Chance, in die Tiefe der eigenen Existenz zu wachsen. ??

 

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