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Jun 01, 2021 371 Rosanne Pappas

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Begegnung

Das rote Kleid

Entdecke ein kraftvolles Gebet, das nur 7 Minuten dauert und die T?r der Barmherzigkeit ?ffnet

Es war ein warmer, milder Tag. Das Moos, das von den massiven Wassereichen in unserem Vorgarten hing, wehte hernieder und verunreinigte den Rasen. Ich hatte gerade in den Briefkasten geschaut, als Lia, eine meiner besten Freundinnen, in die Einfahrt fuhr. Sie eilte herbei, und ich konnte ihrem Gesichtsausdruck ansehen, dass sie extrem aufgeregt war.

?Meine Mutter ist vorgestern ins Krankenhaus gekommen. Ihre Krebszellen haben sich von der Lunge auf ihr Gehirn ausgebreitet?, sagte Lia.

Lias sch?ne braune Augen gl?nzten von den Tr?nen, die ihr ?ber die Wangen liefen.

Sie so zu sehen, war herzzerrei?end. Ich nahm ihre Hand.

?Kann ich mit dir zu ihr gehen?? fragte ich.

?Ja, ich fahre heute Nachmittag hin?, sagte sie.

?Okay, ich treffe dich dann dort?, best?tigte ich.

Als ich das Krankenhauszimmer betrat, stand Lia am Bett ihrer Mutter. Ihre Mutter schaute zu mir hoch, ihr Gesicht war schmerzverzerrt.

?Ich hoffe, es ist in Ordnung, dass ich heute zu dir gekommen bin“, sagte ich.

?Nat?rlich. Es ist sch?n, dich wiederzusehen“, entgegnete sie.

?Hast du etwas von deinem Priesterfreund geh?rt?? fragte sie mit schwacher, aber freundlicher Stimme.

?Ja, wir sprechen ab und zu?, antwortete ich.

?Ich bin so froh, dass ich ihn damals sehen konnte?, sagte sie.

Lia und ich waren Teil einer Rosenkranzgruppe gewesen, die sich w?hrend der Zeit, als ihre Mutter erstmals ihre Diagnose erhielt, jede Woche zum Gebet traf. Ein Priester, der f?r seine geistlichen Gaben bekannt war, war zu einem unserer Treffen gekommen und wir waren begierig darauf, dass er mit uns betete und uns die Beichte abnahm.

Lias Mutter war katholisch erzogen worden, aber als sie heiratete, entschied sie sich, sich in die Familie ihres Mannes einzuf?gen und seinen griechisch-orthodoxen Glauben anzunehmen. Doch im Laufe der Jahre f?hlte sie sich in beiden Glaubensgemeinschaften immer weniger zu Hause. Besorgt dar?ber, dass ihre Mutter so viele Jahre von der Kirche und den Sakramenten entfernt war, lud Lia sie zu unserer Rosenkranzgruppe ein, damit sie unseren besonderen Priester kennenlernen konnte.

Erst als der Priester schon wieder am Gehen war, kam Lias Mutter endlich durch die Hintert?r spaziert. Lia zeigte mir ein erleichtertes L?cheln. Ihre Mutter und der Priester unterhielten sich etwa zwanzig Minuten lang allein. Sp?ter rief Lia an, um mir zu sagen, dass ihre Mutter st?ndig davon sprach, wie nett und liebevoll der Priester zu ihr gewesen war. Sie erz?hlte Lia, dass er ihr nach dem Gespr?ch die Beichte abgenommen hatte und sie mit Frieden erf?llt war.

Jetzt, als sie im Krankenhausbett lag, sah sie nicht mehr wie sie selbst aus. Die Farbe ihrer Haut und der Blick in ihren Augen verrieten die Verw?stungen einer lange fortschreitenden Krankheit.

?W?rdet ihr mit mir beten?? fragte ich. ?Es gibt ein spezielles Gebet, das man den Barmherzigkeits-Rosenkranz nennt. Es ist ein kraftvolles Gebet, das Jesus einer Nonne namens Schwester Faustina gab, um seine Barmherzigkeit in der Welt zu verbreiten. Es dauert etwa sieben Minuten und eines der Versprechen zu diesem Gebet ist, dass diejenigen, die es beten werden, durch die T?r der Barmherzigkeit und nicht des Gerichts gehen werden. Ich bete es oft?, sagte ich.

Lias Mutter schaute mich mit einer hochgezogenen Augenbraue an.

?Wie kann das wahr sein?? fragte sie.

?Was meinst du?? sagte ich.

?Willst du mir sagen, dass ein hartgesottener Verbrecher, wenn er dieses Gebet Minuten vor seinem Tod betet, durch die T?r der Barmherzigkeit und nicht des Gerichts geht? Das scheint mir nicht richtig zu sein?, sagte sie.

?Nun, wenn sich ein hartgesottener Verbrecher tats?chlich die Zeit nimmt, es mit aufrichtigem Herzen zu beten, dann muss es f?r ihn Hoffnung geben, trotz allem, was er getan hat. Wer kann schon sagen, ob und wann sich das Herz f?r Gott ?ffnet? Ich glaube, wo Leben ist, da ist auch Hoffnung.?

Sie starrte mich eindringlich an.

Ich fuhr fort. ?Wenn dein Sohn ein hartgesottener Verbrecher w?re, w?rdest du ihn nicht lieben, obwohl du seine Verbrechen hasst? W?rdest du nicht st?ndig auf seinen Sinneswandel hoffen, wegen der gro?en Liebe, die du f?r ihn empfindest??

?Ja?, sagte sie schwach.

?Gott liebt uns viel mehr, als wir unsere Kinder jemals lieben k?nnten, und er ist immer bereit, mit seiner Barmherzigkeit in jedes Herz einzudringen. Er wartet geduldig und mit gro?em Verlangen auf diese Momente, weil er uns so sehr liebt.?

Sie nickte.

?Das macht Sinn. Ja, ich werde mit euch beten?, sagte sie.

Wir drei beteten also zusammen den Barmherzigkeits-Rosenkranz, unterhielten uns noch ein paar Minuten und dann ging ich.

Sp?ter am Abend rief mich Lia an.

?Die Krankenschwester meiner Mutter rief an, um mir mitzuteilen, dass meine Mutter, gleich nachdem ich das Krankenhaus verlassen hatte, das Bewusstsein verloren hat.?

Wir trauerten gemeinsam, beteten und hofften auf die Genesung ihrer Mutter.

Lias Mutter starb ein paar Tage sp?ter.

In der Nacht, in der sie starb, hatte ich einen Traum. In meinem Traum ging ich in ihr Krankenhauszimmer und fand sie aufrecht im Bett sitzend, in einem wundersch?nen roten Kleid. Sie strahlte voller Leben und Freude und l?chelte breit von einem Ohr zum anderen. In der Nacht der Totenwache, als ich mich ihrem Sarg n?herte, um ihr die letzte Ehre zu erweisen, war ich verbl?fft, sie in einem roten Kleid vorzufinden! Ein Schauer lief mir ?ber den R?cken. Ich war noch nie bei einer Totenwache gewesen, bei der die Verstorbene ein rotes Kleid trug. Es war h?chst unkonventionell und v?llig unerwartet. Nach der Beerdigung schnappte ich mir Lia und zog sie zur Seite.

?Was hat dich dazu bewogen, deiner Mutter ein rotes Kleid anzuziehen?? fragte ich.

?Meine Schwester und ich haben es besprochen und beschlossen, dass wir Mama ihr Lieblingskleid anziehen w?rden. Meinst du, wir h?tten es nicht tun sollen?? fragte sie.

?Nein, ich meine etwas anderes. In der Nacht, in der deine Mutter starb, tr?umte ich, dass ich in ihr Krankenhauszimmer kam und sie aufrecht sitzend und breit l?chelnd vorfand … und sie trug ein rotes Kleid!? sagte ich. Lias Kinnlade fiel herunter und ihre Augen weiteten sich.

?Was? Unm?glich?, sagte sie.

?Doch, doch?, beharrte ich.

Mit Tr?nen auf den Wangen sagte Lia: ?Du und ich waren die letzten Menschen, die sie gesehen hat, bevor ihr Gehirn abgeschaltet hat. Und das bedeutet, dass ihre letzte Tat das Gebet zur g?ttlichen Barmherzigkeit war!? Ich nahm Lia in den Arm und umarmte sie.

?Ich bin so dankbar, dass du an diesem Tag mit mir gekommen bist und wir mit meiner Mutter gebetet haben, und dass ich bei ihr sein konnte, bevor sie ihr Bewusstsein verlor?, sagte sie.

?Ich kann es nicht fassen, dass du sie in deinem Traum so gl?cklich und in einem roten Kleid gesehen hast.? Ich glaube, Jesus will uns damit sagen, dass sie wirklich durch die T?r der Barmherzigkeit gegangen ist?, sagte sie.? ?Ich danke dir, Jesus.?

?Amen?, sagte ich.

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Rosanne Pappas

Rosanne Pappas ist Künstlerin, Autorin und Rednerin. Sie inspiriert andere, indem sie persönliche Geschichten über Gottes Gnade in ihrem Leben teilt. Seit über fünfunddreißig Jahren verheiratet leben sie und ihr Ehemann in Florida und haben vier Kinder.

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