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Okt 21, 2021 249 Rosanne Pappas

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Begegnung

Eine Reise zum Haus der Gnade

Da bemerkte ich, dass ich meinem Sohn das Gleiche angetan hatte, wie mir? meine Mutter ?

?Du bist wie die Samariterin?, sagte mein geistlicher Begleiter, als er f?r mich betete. Seine Worte ersch?tterten mich. ?Ich bin wie die Samariterin?? Er nickte.

Seine Worte schmerzten, aber die weisen braunen Augen zeigten viel Mitgef?hl. Er war kein gew?hnlicher Geistlicher. Ich hatte mich ?ber Jahre mit ihm getroffen und hatte durch ihn schwierige und au?ergew?hnliche Erfahrungen mit Gott gehabt. Jedes Mal wenn ich zu ihm kam, war das Wartezimmer vor seinem B?ro voll mit Menschen aus der ganzen Welt, die von ihm geh?rt hatten und von ihm Heilung oder Beratung erwarteten. Dieser ruhige, bescheidene und heilige Mann war seit vielen Jahren Gottes Instrument und ich hatte unz?hlige Menschen hergebracht.

Auf dem Heimweg haderte ich mit seinem Vergleich. Die Samariterin? Ich hatte keine f?nf Ehem?nner gehabt und der Mann, mit dem ich lebte, war mein Ehemann. Und dann fiel es mir ein, dass ich vielleicht wie die Samariterin war, weil sie nach ihrer Begegnung mit Jesus in die Stadt lief, um allen zu erz?hlen, dass sie dem Messias begegnet war. Vielleicht war es das, was er gemeint hatte. Ich ahnte nicht, dass sein Vergleich prophetisch sein w?rde…

Vergeltung

?ber die Jahre waren die Konflikte und Probleme im Haus eskaliert und ich endete in einer Therapie. F?r alles Wissen ?ber den katholischen Glauben hatte ich sehr wenig Selbstbewusstsein. Ich glaubte, dass ich gottesf?rchtig war, weil ich eine fromme Katholikin war, die ein sakramentales Leben f?hrte, und ich gro?z?gig mit meiner Zeit und Hingabe umging. Obwohl ich Beichte an Beichte reihte, beging ich weiterhin immer wieder die gleichen S?nden. Viele meiner Beichten konzentrierten sich auf die S?nden meiner Mitmenschen, die mir am n?chsten standen und darauf, wie sie sich ?ndern mussten. Sogar w?hrend der Predigten im Gottesdienst dachte ich mehr an die Menschen, die nicht da waren, aber die das h?ren sollten, was ich gerade h?rte. Ich war mir sicher, dass ich rechtschaffen war und Gott auf meiner Seite hatte…

Durch die Therapie wurde vieles bei mir aufgedeckt. Ich hatte in einem Haus der Schande anstatt einem Haus der Gnade gelebt, und ich hatte die Menschen, die mir am n?chsten standen, verletzt und unsere Beziehungen zerst?rt. Jeder Tag brachte M?glichkeiten zur Ver?nderung, aber es war nicht leicht.

?Kannst du f?r mich f?r ein bis zwei Stunden auf deine Schwester aufpassen? Ich muss Besorgungen machen?, fragte ich meinen Teenager-Sohn, der gerade erst von der Schule nach Hause gekommen war und die Stiege hochlief. In einem b?sen Ton antwortete er: ?Nein!?

Das war nicht, was ich erwartet hatte, und ich war au?er mir. Ich wollte ihn zurechtweisen und ihm Vorw?rfe machen auf der Ebene von `Wie kannst du es wagen, so mit mir zu reden! Du bist ein respektloses und undankbares Balg! Du bist das ganze Wochenende mit deinen Freunden unterwegs gewesen, und du kannst nicht einmal f?r ein bis zwei Stunden bei deiner Schwester bleiben? Wie selbsts?chtig von dir!?

Der Kampf mit meinem Ego war in vollem Gang. Hilf mir, Jesus, betete ich. Ich erinnerte mich an eine meiner ersten Therapie-Sitzungen. ?Ignoriere deine ersten Impulse.?

Ich nahm einen tiefen Atemzug und lenkte meinen Fokus weg von mir selbst auf meinen Sohn. Ich konnte sehen, dass seine Reaktion auf mein Anliegen v?llig ?berzogen war. Er war w?tend. Es steckte mehr hinter seiner emp?rten Ablehnung und ich wollte wissen, was es war. ?Du bist wirklich w?tend. So bist du sonst nicht. Was ist los?? fragte ich aufrichtig. ?Es geht immer um mich, meine Br?der fragst du nie?, keifte er.

Die Stimme in meinem Kopf meldete sich dagegen, `Das stimmt nicht! Seine Br?der passen auf sie auf, wenn er nicht da ist. Er wirft mir vor, ungerecht zu sein, das ist nicht wahr!?

Jesus hilf mir, meinen Stolz und mein Ego zu d?mpfen.

Meine Wangen r?teten sich. Ich f?hlte mich blo?gestellt und besch?mt.

Will ich Recht haben oder m?chte ich ihn verstehen und mit ihm verbunden sein, fragte ich mich. Tief im Innersten wusste ich, dass er Recht hatte. Er war derjenige, den ich immer fragte, weil ich glaubte, dass er am verantwortungsbewusstesten war.

?Du hast Recht, ich frage immer dich?, gab ich zu.

Seine Gesichtsz?ge wurden weich.

?Nun, das ist nicht fair.? Seine Stimme war schwach und er wurde emotional.

?Du hast mich auf sie aufpassen lassen, als sie ein winziges Baby war, und ich war die ganze Zeit als du fort warst v?llig fertig, weil ich total ?berfordert war?, sagte er.

Meine Gedanken schweiften zur?ck zu einer Erinnerung. Ich war noch sehr jung und alleine zu Hause mit meinen zwei Br?dern, die noch Babys waren. Ich erinnerte mich an die Panik, die ich empfunden hatte. Ich stand da, schaute zu ihm auf, geschockt von der Erkenntnis, dass ich ihm das gleiche angetan hatte wie meine Mutter.

?Erz?hl mir davon?, bat ich behutsam.

Tief bewegt erz?hlte er, woran er sich erinnerte. Ich r?ckte n?her an ihn heran.

?Das ist furchtbar. Ich h?tte dich niemals in eine derartige Lage bringen d?rfen. Meine Mutter hat das gleiche mit mir gemacht. Sie hielt mich f?r kompetenter als meine Geschwister, sie verlie? sich v?llig auf mich und brauchte mich f?r Dinge, f?r die ich niemals verantwortlich h?tte sein d?rfen. Es tut mir wirklich sehr Leid?, gab ich zitternd zu.

Voller Bedauern und Mitleid dar?ber, was ich ihm angetan hatte, nahm ich mir vor, etwas zu ver?ndern.

Wahre Anbeter

Meine Erinnerung, wie ich mich als Kind gef?hlt hatte, und das Eingest?ndnis meiner eigenen Wut gegen?ber meiner Mutter und Geschwister halfen mir, die verborgenen Muster zu erkennen, wie ich mich ungerechterweise auf ihn verlie? und seinen Br?dern das Wachsen in der Verantwortung verwehrte. Schlimmer noch, ich stellte fest, dass einige Aufgaben, f?r die ich seine Hilfe in Anspruch genommen hatte, Lasten waren, die f?r mich oder meinen Mann zu tragen bestimmt waren.

Entschlossen strengte ich mich an, die Verantwortlichkeiten gerechter aufzuteilen.

Unsere Beziehung verbesserte sich, und als der Druck abnahm, hegte er auch weniger Groll gegen seine Br?der.

Obwohl manche Konflikte mir auch weiterhin einen Spiegel vorhielten, wuchs durch die ges?nderen Beziehungen mein Wunsch, mein Ego beiseite zu r?umen, die Stimme der Anklage in meinem Kopf zum Schweigen zu bringen, und meine Schw?chen und Fehler zu akzeptieren und aus ihnen zu lernen.

An einem Morgen nach dem Gottesdienst trat meine Schw?gerin an mich heran: ?Ich fand ein Zitat von einem Priester. Ich denke, dass es das zusammenfasst, was du meinst, wenn du sagst, dass du lernst, vom Haus der Schande zum Haus der Gnade umzuziehen?, sagte sie w?hrend sie durch ihr Handy scrollte.

?Hier, ich habe es gefunden?, sagte sie.

?Wenn die Menge deiner Spiritualit?t gleich ist der Menge an Wahrheit, die du ?ber dich selbst ertragen kannst ohne wegzulaufen, ist das ein Zeichen tiefster Spiritualit?t. So geschieht die Transformation des Herzens. Nur die Wahrheit macht uns frei. Und dann werden wir wahre Anbeter des Herrn sein. Wir werden den Herrn im Geist und in der Wahrheit anbeten?, sagte sie.

?Ja! Das ist es. So viele Jahre dachte ich, dass alles, was ich zu wissen brauchte, die Wahrheit der Kirche war. Aber da ist eine andere Wahrheit, die ich brauche. Es ist eine Wahrheit, die ich nicht einfach sehen oder mir selbst eingestehen kann. Es ist der Kampf in meinem Herzen und meiner Seele eher in einem Haus der Gnade als in einem Haus der Schande zu leben. Und das kann ich nicht ohne Jesus tun?, erkl?rte ich.

Auf dem Heimweg wunderte ich mich, wo ich `Den Herrn im Geist und in der Wahrheit anbeten? geh?rt hatte? Sobald ich zu Hause ankam, griff ich nach der Bibel und fand genau diese Worte am Ende der Geschichte der Samariterin. Ein kalter Schauer lief mir ?ber den R?cken. Als Jesus ihr eine pers?nliche Wahrheit ?ber sie enth?llte, best?tigte sie es anstatt es abzustreiten, ?ffnete das Schleusentor der Gnade. ?Kommt her, seht, da ist ein Mann, der mir alles gesagt hat, was ich getan habe: Ist er vielleicht der Messias?? (Joh 4,29)

Mein geistlicher Vater hatte Recht. Ich bin wie die Samariterin.

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Rosanne Pappas

Rosanne Pappas ist Künstlerin, Autorin und Rednerin. Sie inspiriert andere, indem sie persönliche Geschichten über Gottes Gnade in ihrem Leben teilt. Seit über fünfunddreißig Jahren verheiratet leben sie und ihr Ehemann in Florida und haben vier Kinder.

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